Was wir tun


 

Wirksam fachbezogen fortbilden – eine gemeinsame Herausforderung für Wissenschaft und Praxis

Das DZLM entwickelt, implementiert und erforscht wirksame Fortbildungs- und Unterstützungsangebote im Fach Mathematik für Lehrkräfte und Erzieherinnen bzw. Erzieher und für Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren (Beratende, Fortbildende und Ausbildende). Dabei arbeiten wir eng auf mehreren Ebenen mit der Praxis zusammen:

 

 

  • mit Verantwortlichen aus Landesinstituten, Ministerien und Bezirksregierungen für die Fortbildung von Lehrkräften und die Qualifizierung von Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren,

  • mit Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren für die Fortbildung von Lehrerinnen bzw. Lehrern und Erzieherinnen bzw. Erziehern,

  • mit Lehrerinnen bzw. Lehrern, Erzieherinnen bzw. Erzieher und Schul- / Kitaleitungen für die fachbezogene Unterrichtssentwicklung.

 

 

 

 

Insbesondere die wirksame Unterstützung und Qualifizierung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren steht im Fokus der Arbeiten des DZLM mit dem Ziel, gemeinsam mit den Verantwortlichen der Steuerungsebene fachbezogene Fortbildungs- und Qualifizierungskonzepte breitenwirksam umzusetzen.

 

 

 

Herausforderungen des Fachunterrichts

Lehrerinnen und Lehrer stehen im Fachunterricht und insbesondere im Mathematik- und naturwissenschaftlichen Unterricht vor der Herausforderung, fachdidaktische und fachliche Aspekte mit allgemeinpädagogischen Zielen und Ansätzen zu verbinden und konkret im Fach umzusetzen. Erzieherinnen und Erzieher sind in den Kitas mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert, wenn sie die fachnahen Ziele der Bildungs- und Orientierungspläne umsetzen.

 

Das DZLM hat sich das Ziel gesetzt, – gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Praxis – Lehrkräfte und Erzieherinnen bzw. Erzieher zu unterstützen. Aktuell werden dabei vor allem folgende Fortbildungsthemen adressiert:

 

  • Digitale Bildung

    Welche fachdidaktischen Potenziale haben digitale Medien und wie können sie im Fachunterricht genutzt werden?

  • Fachbezogene Sprachbildung

    Wie genau kann die Berücksichtigung von Sprache für das Fachlernen umgesetzt werden?

  • Heterogene Lerngruppen

    Wie kann der Heterogenität der Lernenden mit fachspezifischen flexiblen Strategien der Differenzierung begegnet werden?

  • Kompetenzen zu Leitideen

    Wie können inhaltliche Leitideen und prozessbezogene Aspekte des Fachunterrichts so miteinander kombiniert werden, dass die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler im Fach gefördert werden

  • Fachfremd unterrichtende Lehrkräfte sowie Quer- und Seiteneinsteigerinnen und -Seiteneinsteiger

    Welche Unterstützung benötigt diese spezifische Gruppe von Lehrkräften bei der Entwicklung ihres Fachunterrichts?

  • Frühe mathematische Bildung

    Wie kann bei Kindergartenkindern die Neugier an Mathematik geweckt und gefördert werden?

 

 

 

Wechselseitige Verzahnung von Wissenschaft und Praxis

Für fachdidaktische Herausforderungen des Fachunterrichts werden wirksame Konzepte und entsprechend designte Unterrichtsmaterialien benötigt. Ihre Entwicklung und Umsetzung bedarf sowohl der Methoden, Ressourcen und Perspektiven der Wissenschaft als auch der Erfahrungen, der Perspektiven und des Wissens über Anwendungskontexte aus der Praxis.

Mit Erkenntnis- oder Wissenstransfer wird allgemein die Verbreitung wissenschaftlichen Wissens in praktische Felder bezeichnet. Dabei geht es nicht um einseitige Weitergabe, sondern um einen kommunikativen und kooperativen Prozess, der auf die Rahmenbedingungen und Arbeitsweisen der Praxis ausgerichtet ist (siehe auch: Positionspapier der Landesinstitute und Qualitätseinrichtungen der Länder zum Transfer von Forschungswissen). Wir verstehen daher Erkenntnis- oder Wissenstransfer im Sinne des Leitbilds der Leibniz-Gemeinschaft:

Die Leibniz-Gemeinschaft versteht erfolgreichen Wissenstransfer als die zielgruppenspezifische und qualitätsgesicherte Übersetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie umgekehrt die Integration von gesellschaftlich generierten Fragestellungen in Forschungsvorhaben. Er erfüllt daher eine Schnittstellenfunktion in zwei Richtungen.

 

 

Was genau bedeutet fachbezogener Erkenntnistransfer von Forschung in die Praxis?

Wissen, das in der Forschung gemeinsam mit der Praxis generiert wird, hat in der Regel drei Ziele:

  • Probleme zu identifizieren (Beschreibungswissen)
  • Hintergründe zu verstehen (Erklärungswissen)
  • Probleme zu bearbeiten (Handlungswissen)

 

Um relevante Probleme zu identifizieren, wird Beschreibungswissen kreiert (z.B. in Leistungsvergleichsstudien wie PISA oder Unterrichtsbeobachtungsstudien). Wenn ein relevantes Problem identifiziert ist, bedarf es weiterer Forschung, die Erklärungswissen zum Hintergrund des Problems generiert (z.B. durch Lernprozessstudien). Beschreibungs- und Erklärungswissen allein reichen noch nicht aus, um ein Problem konkret zu bearbeiten und zu lösen. In Design-Research-Studien wird Handlungswissen zur Entwicklung von Unterrichtskonzepten geschaffen.

 

Im DZLM tragen wir zu einem erfolgreichen Transfer von der Wissenschaft in die Praxis bei, indem wir vor allem Handlungswissen auf allen drei Ebenen entwickeln, der Unterrichts-, Fortbildungs- und Qualifizierungsebene. Dafür relevantes Beschreibungs- und Erklärungswissen fließt dabei substantiell in unsere Arbeit ein – sei es vom DZLM generiert oder von anderen.

 

 

 

Erkenntnistransfer in den Unterricht durch Qualifizierungen und Fortbildungen

Warum nutzt das DZLM Fortbildungen und Qualifizierungen, um Erkenntnisse aus der Wissenschaft in die Praxis einzubinden? Aus der Transfer- und Implementationsforschung zu Bildungsprozessen ist bekannt, dassLehrerinnen und Lehrer ihre Unterrichtspraktiken nur bedingt allein auf Basis von praxisbezogenen Publikationen oder Unterrichtsmaterialien ändern. Stattdessen werden Unterstützungsangebote benötigt, die gut durchdacht in die Systeme der Länder eingebettet sind und mit diesen gemeinsam geplant und umgesetzt werden. D.h. bezogen auf fachdidaktische Entwicklungs- und Forschungsergebnisse erfolgt Erkenntnistransfer in der Breite nicht direkt von der Forschung in den Unterricht, sondern vor allem über Fortbildung und Unterstützung von Lehrerinnen bzw. Lehrern durch qualifizierte Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren.

 

Im DZLM entwickeln und erforschen wir Konzepte und Materialien für Fortbildungen und Qualifizierungen. In diesem Rahmen binden wir forschungsbasierte Konzepte und Materialien für den Mathematikunterricht ein. Um Probleme in der Praxis zu lösen, generiert das DZLM Handlungswissen auf der Fortbildungs- und Qualifizierungsebene. Hierfür relevantes Beschreibungs- und Erklärungswissen wird selbstverständlich miteinbezogen. Forschungswissen auf der Unterrichts- und Steuerungsebene fließt ebenso in unsere Arbeit ein.

 

Bei der Generierung des Wissens arbeitet das DZLM auf allen drei Ebenen (Unterricht, Forbildung und Qualifizierung) eng mit den Akteurinnen und Akteuren der Praxis zusammen. Für die Unterrichtsebene werden beispielsweise Lehrkräfte bei der Entwicklung, Erprobung und Überabeitung von Unterrichtseinheiten eingebunden. Für die Fortbildungsebene gibt es u.a. langfristige professionelle Lerngemeinschaften von Fort- und Ausbildenden in DZLM-Netzwerken, welche mit den Forschenden des DZLM aktuelle Bedarfe identifizieren und die Eignung von Fortbildungskonzepten erproben. Für die Qualifizierungsebene tauscht sich das DZLM zum Beispiel bei den jährlich stattfindenden Sitzungen des DZLM-Länderbeirats mit der Steuerungsebene über Bedarfe und Konzepte von Qualifizierungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus und plant gegebenenfalls gemeinsame Qualifizierungsprojekte.

 

 

 

Implementationsstrategien des DZLM-Transferprogramms

Um fachbezogenen Erkenntnistransfer konkret in der Praxis umzusetzen und besser zu verstehen, wie dieser gelingt, setzt das DZLM-Transferprogramm auf drei Strategien (vgl. Abbildung unten):

 

  1. Die materiale Strategie zielt auf die Unterstützung von Lehrerinnen und Lehrer durch Unterrichtsmaterialien und von Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren durch Fortbildungsmaterialien als Open Educational Ressources

 

  1. Die personale Strategie zielt auf die Professionalisierung von Lehrkräften durch Fortbildungen und von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren durch Qualifizierungen

 

  1. Die systemische Strategie zielt auf Kooperationen mit den jeweiligen Systemen, d.h. auf Unterrichtsebene mit dem System Einzelschule, auf Fortbildungs- und Qualifizierungsebene mit den länderweiten und regionalen Fortbildungsinstitutionen und mit der Bildungssteuerung, um mit ihnen die Bedingungen für die konkreten landesweiten Implementationen zu identifizieren

 

Die fachbezogenen Themen und Inhalte in den drei Strategien orientieren sich auf allen Ebenen an den Fortbildungsthemen des DZLM.

 

 

 

 

 

 

 

Forschungsfundierung der drei Strategien auf drei Ebenen

Für jede der Strategien zielen wir im DZLM darauf ab, Handlungswissen auf Fortbildungs- und Qualifizierungsebene zu kreieren und so zu einem forschungsfundierten Transfer in die Schulpraxis beizutragen.

 

Forschungsfundierung der materialen Strategie

Für die Entwicklung von Unterrichts-, Fortbildungs- und Qualifizierungsmaterialien wird in Design-Research-Studien (siehe Abbildung unten) der jeweilige Unterrichts-, Fortbildungs- und Qualifizierungsgegenstand genauer spezifiziert. Anschließend wird dieser so strukturiert, dass er an die Voraussetzungen der Lernenden auf der jeweiligen Ebene angepasst ist. Basierend auf dem so strukturierten Lerngegenstand designen wir unsere Materialangebote und erproben sie in der Praxis (Designexperimente). Hierbei erforschen wir, ob beim praktischen Einsatz unserer Materialien die intendierten Lernprozesse angestoßen und welche typischen Lernwege eingeschlagen werden. Diese Erkenntnisse nutzen wir, um unsere Materialien durch Ausschärfung der Lerngegenstände und Designprinzipien weiterzuentwicklen. Außerdem untersuchen wir, wie Materialien in der Qualifizierungs- und Fortbildungspraxis durch die jeweiligen Akteurinnen und Akteure für ihre Zwecke genutzt und adaptiert werden.

 

Forschungsfundierung der personalen Strategie

Für die Forschungsfundierung der personalen Strategie sind insbesondere Einsichten in die Lernwege und Lernhürden von Lehrkräften und Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren notwendig, um die jeweiligen Referentinnen oder Referenten für die Fortbildungen oder Qualifizierungen vorbereiten zu können. Die Wirksamkeit der DZLM-Qualifizierungen und -Fortbildungen erforschen wir in Interventionsstudien.

 

Forschungsfundierung der systemischen Strategie

Alle unsere Unterstützungsangebote werden so konzipiert, dass sie die jeweiligen systemischen Kontexte berücksichtigen und die Erfahrungen der Verantwortlichen in der Praxis integrieren. Diese und andere Ergebnisse der Schulentwicklungs- und Implementationsforschung fließen in die Arbeit des DZLM ein.

 

 

 

 

 

 

Forschungsfelder des DZLM

Aktuell fokussieren wir im DZLM auf vier empirische Forschungsfelder, um unsere Implementationsstrategien wissenschaftlich zu fundieren:

 

  • Lernwege von Lehrerinnen bzw. Lehrer auf Fortbildungsebene
  • Lernwege von Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren auf Qualifizierungsebene
  • Wirkungen und Wirksamkeit von Fortbildungen und Qualifizierungen
  • Nutzung des DZLM-Materials von der Qualifizierung bis in den Mathematikunterricht

 

Unter Forschungsfelder finden sich hierzu ausgewählte DZLM-Publikationen. Des Weiteren sind dort weitere Publikationen des DZLM zur gegenstandsbezogenen Professionalisierungsforschung zusammengestellt, welche programmatische, strukturelle und strategische Aspekte dieser Forschung behandeln.

 

 

 

Zusammenwirken von Forschung, Entwicklung und Implementation über alle Praxisebenen hinweg

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir unsere Fortbildungs-, Qualifizierungs- und Unterstützungsangebote in Mathematik in einem engen Zusammenspiel von gegenstandsbezogener Forschung, Entwicklung und Implementation mit und in der Praxis entwickeln. Dabei verknüpfen wir die Unterrichts-, Fortbildungs- und Qualifizierungsebene durch wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Entwicklungsprodukte miteinander (vgl. Abbildung).

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Literatur